Im Blogbeitrag vom Jahresanfang im Rahmen des Beitrags über den Ausflug in den Urwald Sababurg streifte bereits das Thema Sternenfotografie. Dieser Artikel vertieft dieses Thema und gibt Informationen über die technischen Vorraussetzungen und Einstellungen der Kamera für einen ersten Einstieg.

Sterne kann man oftmals nämlich schon dann ganz passabel fotografieren, wenn man sich ein paar Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen auf das freie Land hinaus begibt. Um die feinen Strukturen der Milchstraße am Nachthimmel zu fotografieren, ist wegen der vorherrschenden Lichtverschmutzung eine wohlüberlegte Recherche im Vorfeld sehr wichtig. Apps für das Smartphone oder Tablet geben für die richtige Wahl des Fotoziels wichtige Informationen und helfen weiter. Einige Beispiele und Links dazu sind am Ende des Artikels aufgeführt.

Persönliche Ausstattung und Kameratechnik für die Sternenfotografie

Milchstraße über den Helfensteinen

Neben der Kameraausrüstung sollte auch die persönliche Bekleidung einen hohen Stellenwert haben, denn schon in kalten Nächten kann einem der Spaß an der Sternenfotografie sonst sehr schnell vergehen. Spätestens dann, wenn man die oft klaren und dafür auch sehr langen Winternächte für die Sternenfotografie nutzen möchte, ist ein entsprechend gutes Schuhwerk neben der Kleidung ebenfalls sehr wichtig.

Zur nächtlichen Orientierung außerdem unverzichtbar ist eine gute Stirnleuchte mit ausreichender Leuchtkraft. Diese kann zusätzlich zum Anleuchten von fotogenen Objekten im Vordergrund während der Aufnahme benutzt werden. Empfehlenswert ist ein Modell, bei dem außerdem auf rotes Licht, welches die Augen beim nächtlichen Herumwandern nicht so stark blendet, umgestellt wird.

Bezüglich den Anforderungen an die Kameratechnik und fototechnische Ausrüstung sind vor allem folgende Dinge wichtig:

  • Stabiles Stativ (unbedingt erforderlich wegen der langen Belichtungszeiten!)
  • möglichst lichtstarkes, weitwinkliges und manuell fokussierbares Objektiv mit Anfangsblende <=2,8 (Optimal 2,0 oder 1,4); für erste Erfahrungen genügen auch Objektive mit Blendenstärken von 3,5 – 4,0
  • Im Optimalfall eine Kamera mit Vollformatsensor (wegen des besseren Rauschverhaltens)
  • Einstellbare ISO-Werte >= 3200 an der Kamera
  • Ein Fernauslöser, es kann aber auch der interne Selbstauslöser der Kamera verwendet werden, um Verwacklungsunschärfen zu vermeiden
  • Kameramodus auf M (manuell)
  • Ersatzakkus

Vordergrund macht Bild gesund

So gut vorbereitet dann vor Ort eingetroffen, wird zunächst das Stativ aufgestellt und die Kamera darauf  montiert. Den Bildstabilisator kann getrost deaktiviert werden, wenn man vom Stativ fotografiert wird.

Besonders wichtig (nicht nur) bei der Sternenfotografie ist es einen ansprechenden Vordergrund im Bild zu haben. Dies könnte beispielsweise ein markanter Fels, ein freistehender Baum oder auch eine Bank für Wanderer am Wegrand sein. Wichtig ist dies nicht nur für die Bildgestaltung allein, sondern auch als Bezugspunkt zur Fokussierung des Fotos. Schnell stellt man nämlich fest, daß es gar nicht so einfach ist die Kamera im Dunkeln auf das Motiv oder den Himmel scharf einzustellen. In der Nacht arbeiter der Autofokus nun nicht mehr sehr treffsicher. Eine Hilfe hierzu bietet die heute in den meisten Kameratypen eingebaute Liveviewfunktion.

Milchstraße am Dörnberg

Mit einer Taschenlampe wird das optimal ca. 10 – 15m zur Kamera entfernte Hauptmotiv im Vordergrund angeleuchtet, während die Liveviewfunktion der Kamera aktiviert ist. Für eine genauere Betrachtung wird mit Hilfe der Displaylupe ein Ausschnitt des angeleuchteten Hauptmotivs vergrößert und hierauf fokussiert. Nicht vergessen sollte man diesen vor der eigentlichen Auslösung wieder zu deaktivieren!

Lichtquellen als Hilfen in der Nacht

Sollte das Taschenlampenlicht zu schwach sein, sucht man sich eine Lichtquelle in der Nähe als Bezugs-Fokuspunkt und stellt darauf scharf. Dies kann beispielsweise das Rücklicht des eigenen Autos sein, auf welches fokussiert wird bevor man zum nächtlichen Fotoziel wandert. Ebenfalls hilfreich ist auch die Taschenlampenfunktion des Handys, welche aktiviert und beispielsweise auf der Bank plaziert zum Fokussieren genutzt werden kann.

Funktioniert das Fokussieren über Liveview dennoch nicht oder besitzt die Kamera dieses nicht, so muß manuell fokussiert werden.

Das eigentliche Ziel des vorgenannten Procederes ist es, die Objektiveinstellung in den Unendlichkeitsbereich zu bekommen. Eingestellt werden kann dieses natürlich bereits vorab zu Hause, doch ist dieser Unendlichkeitspunkt je nach Objektiv nicht immer gleich und liegt nicht automatisch immer auch auf dem aufgetragenen Strichsymbol des Objektivs! Ist dieser ersteinmal gefunden, so kann ein Klebestreifen auf diesem Objektivpunkt aufgebracht das vorgestellte Verfahren des Einstellens vor Ort durchaus eingespart werden.

Empfehlenswert ist es den zuvor beschrieben Vorgang nach jedem Standortwechsel zu wiederholen, zumindest aber zu Überprüfen! Durch den Transport kann sich der eingestellte Wert ungewollt verändert haben kann!

Die richtige Belichtungszeit

Besonders zu Beachten bei der Sternenfotografie ist, dass die Belichtungszeit bedingt durch die Sternenbewegung ca. 15 – 20 Sekunden nicht überschreiten sollte, denn sonst beginnen die Sterne im Bild nicht mehr punktförmig zu sein und bei näherer Betrachtung als „Striche“ zu verwischen. Dies ist natürlich immer in Abhängigkeit der (möglichst weitwinkligen) verwendeten Brennweite und der eingestellten (möglichst großen) Blendenzahl zu sehen.

In besonders klaren Nächten und bei geringer Lichtverschmutzung, wie das beispielsweise auf den Berggipfeln der Fall ist, kann sich die Belichtungszeit mit einem lichtstarken Objektiv durchaus auch schon einmal auf unter 10 Sekunden verringern!

Für erste Sternenfotos und als erste Annäherung  sind Isowerte von 3200, eine Belichtungszeit von ca. 20 Sekunden bei einer eingestellten Blende von 2,8 ein guter Richtwert. Ein wenig Ausprobieren gehört in der Sternenfotografie für jedes Bild natürlich dazu, um sich dem optimalen Bildergebnis anzunähern.

Die zuvor genannten Zeiten variieren Objektvabhängig stark und stehen mit der eingestellten größtmöglichen Blende (kleinstmögliche Zahl!) und dem verwendeten ISO-Wert eng zusammen!

Das Histogramm zur Überprüfung der richtigen Belichtungszeit

Ich selbst mit Stirnleuchte auf den Helfensteinen

Ist das erste Sternenfoto aufgenommen, empfiehlt es sich dieses am Kameradisplay zu kontrollieren. In der nächtlichen Dunkelheit ist es nicht einfach den richtigen Bildausschnitt zu finden oder den Horizont parallel zu halten.  So kann die Aufnahme nach erfolgter Nachjustierung bei Bedarf noch einmal wiederholt werden.

Ebenfalls bei der Bildkontrolle wichtig ist der Blick auf das Histogramm, denn so erkennt man sehr schnell, ob ein Bild korrekt belichtet worden ist. Optimierungen sind so beispielsweise durch Anpassung der Belichtungszeit oder des Isowertes recht einfach möglich. Für die optimale Beurteilung des Bildergebnisses außerdem sehr wichtig ist es die Helligkeit des Displays auf die nächtlichen Verhältnisse anzupassen und ggf. zu reduzieren.

Dieses Tutorial gibt euch erste Informationen zum Einstieg in das spannende Thema der Sternenfotografie und auf Grund der durchaus Komplexität des Themas insbesonders, wenn man sich intensiver damit beschäftigt und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte findet im Internet viele hilfreiche Informationen wie beispielsweise auf der Seite des Zeitraffer-Fotografen Gunther Wegener.

War der Artikel hilfreich? Habt ihr Ergänzungen, die eingepflegt oder auch für andere hilfreich sein könnten!? Schreibt euren Kommentar unter den Artikel, ich freue mich darauf!


Weiterführende Informationen und Apps:

Seite des Zeitraffer-Fotografen Gunther Wegener

App Mobile Observatory im Google-Playstore für umfangreiche Informationen für jeden Astronomie-Interessierten

App Planit! im Google-Playstore mit vielen hilfreichen Funktionen nicht nur für die Sternenfotografie

 

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